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In Deutschland begeistern österreichische Rockbands Kritiker und Fans gleichermaßen, als Song-Contest-Siegerland steht Österreich sowieso im Fokus der Pop-Welt –die heimische Musik erlebt gerade einen Höhenflug. Gleichzeitig sind aber die Klagen der Musikschaffenden nicht verstummt, die von mühsamer und oft vergeblicher Arbeit berichten, von fehlenden Budgets für CD-Produktionen, von ungenügenden Auftrittsmöglichkeiten und Desinteresse der Massenmedien.

Die Frage „Österreichische Musik. Quo Vadis?“ stellte sich eine hochkarätige Expertenrunde beim 3. Casinos Austria Kultur Talk am 6. Mai auf der Summerstage in Wien.

Unter der Moderation von Krone Hitradio-Moderatorin Dani Linzer diskutierten ORF-Radiodirektor Karl Amon, die MusikerInnen Birgit Denk, Thomas Andreas Beck und „Minisex“-Frontmann Rudi Nemeczek, Musikverleger Walter Gröbchen, der Projektleiter des Donauinselfests Thomas Waldner sowie Casinos Austria-Vorstand und Musikjournalist Dietmar Hoscher.

Ein Befund, dem die Teilnehmer der Runde einhellig zustimmten, lautete: Heimische Musik hat es in Österreich nicht leicht. Die Erfolge der letzten Zeit wurden trotz mangelnder Unterstützung und weitgehender öffentlicher Nichtbeachtung errungen. Dabei ist die aktuelle Musikszene so lebhaft wie noch nie, hat Birgit Denk beobachtet: „Es tut sich ungeheuer viel in den Clubs und auf den kleinen Festivals. Ich würde mir wünschen, dass junge Musik so gefördert wird wie der Nachwuchssport – nicht auszudenken, was da entstehen könnte. Das kreative Potenzial wäre vorhanden.“

Großes ungehobenes Potenzial outete auch Donauinselfest-Manager Thomas Waldner: „Beim Bandcontest im Rahmen des Festes haben wir einen riesigen Andrang, und da kommen hochprofessionelle Nachwuchsbands, das Niveau ist verblüffend.“

Allerdings ist dieser Boom der aktuellen österreichischen Musik an den heimischen Medien bisher vorbei gegangen, kritisierte Thomas Andreas Beck: „Es kann doch nicht sein, dass österreichische Musik bei uns erst dann wahrgenommen wird, wenn uns das deutsche Feuilleton darauf aufmerksam macht. Ich würde mir mehr Miteinander von Musikern, Musikvermarktern und Radiomachern wünschen, erkennen wir doch, dass eine erfolgreiche heimische Musikszene für alle ein Gewinn ist.“

„Die Radios sind unverzichtbare Partner“, betonte auch Minisex-Sänger Rudi Nemeczek, „die Radios machen Stars, das können noch so großartige Kritiken in angesehenen Zeitungen nicht ersetzen. Musik muss man hören, damit man einen Bezug zu ihr aufbaut.“

Die Stoßrichtung der Kritik von Beck und Nemeczek, die auch bei den anderen Teilnehmern anklang: Österreichs Radiostationen spielen zu wenig aktuelle österreichische Musik – ein Manko, das die Podiumsteilnehmer gleichermaßen bei Ö3, den ORF-Regionalradios und den Privatstationen festgestellt haben. Allerdings ein wenig zu Unrecht, wie ORF-Hörfunkchef Karl Amon zurechtrückte: „Wir kennen diese Kritik und haben einiges getan, um die Situation zu verbessern. In den letzten Jahren sind die Quoten stark gestiegen, wir haben uns ein Ziel von 15 Prozent für österreichische Produktionen gesetzt, dem sind wir nahe. Und wir sind offen und gesprächsbereit für weitere Verbesserungen. Aktuelle österreichische Musik ist dem ORF sehr wohl ein Anliegen, das betone ich mit allem Nachdruck.“

Musikverleger Walter Gröbchen sah ein Problem im mangelnden Verständnis, auf das die aktuelle Musik auch bei den zuständigen Programmmachern trifft: „Quoten sind ein Fortschritt, aber für sich genommen keine Lösung. Ich habe selber erlebt, dass man spannende neue Musik in eine Redaktion gebracht hat, und sogar mit Zahlen nachweisen konnte, dass die CD bereits erfolgreich ist, aber nur ein achselzuckendes ,Wen interessiert das schon?‘ als Reaktion erhielt.“

„Mehr Musikjournalisten, die sich in der aktuellen heimischen Szene umschauen und aktives Interesse zeigen“, wünschte sich Casinos Austria-Vorstand Hoscher, „spannend ist nämlich sehr oft auch das, was sich ums Eck abspielt, nicht nur die Entwicklungen in London und Amerika.“ Hoscher verwies in diesem Zusammenhang auf die Casinos Austria Music Line, die Förderschiene, mit der gezielt österreichische Musik abseits des Mainstreams unterstützt wird. Die Casinos Austria Music Line fördert CD-Produktionen ebenso wie Konzerte und Festivals: „In den meisten Fällen sind es Projekte, die ohne unsere Unterstützung nicht zustande kommen würden“, betonte Hoscher, „für einen privatwirtschaftlichen Sponsor wie auch für öffentliche Förderung ist es besonders wichtig, dabei die Vielfalt im Auge zu behalten und kreatives Schaffen zu ermöglichen.“

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